Letztes Feedback

Meta





 

Tachchen,

......heute gings um die Wurst: Ich hatte mit meinem Vorgesetzten einen Termin in der Personalabteilung. Es ging um die Bezahlung meiner Unterkunft. Ich dachte so, naja, mit ein wenig Glück kriegst du heute schon Geld und kannst wieder wie ein normaler Bürger leben und auch mal für 3-4 Euro essen gehen statt immer nur für 1 Euro. In der Küche mach ich mir ja bekanntlich nichts, da selbst ich diese Kaschemme für zu ekelig halte. Kleines Bild gefällig?:


Leider haben wir im Moment nicht so viel Auswahl an Lebensmitteln, da bis auf mich und die Hauptmieter alle ausgezogen sind. Und ich koch ja nicht.
Wurscht, ich hab jedenfalls meinen Vorgesetzten, Mr. P., schon um 400 Yuan erleichtert, um über den Monat zu kommen. Dem hab ich dann meine Hoffnungen auf einen vielleicht vorzeitigen Geldsegen mitgeteilt, worauf er mit einem prustenden Lachen reagiert hat, er kennt diese Bande im 15. Stock nämlich schon. Jedenfalls haben wir heute vorgesprochen, und zwar ist bei der Abteilungsleiterin; die hat übrigens den ganzen Karren in den Dreck gefahren. Sie hat es aus irgendwelchen Gründen nicht geschnallt, dass zwei Praktikanten gleichzeitig in der Firma sind und einer materiell bevorzugt wird. Egal. Jedenfalls hatte ich ja die email vom Boss L. persönlich im Rücken, dachte also, wird schon schiefgehen. Wir sind also ins Büro zu ihr hinein und haben ihr erstmal die Sachlage geschildert. Sie hat zwar auch ne email bekommen, aber man muss viele Sachen hier zweimal erklären. Dann hat sie zu mir gesagt, ich bräuchte eine Rechnung, eine fapiao, von meinem Vermieter. Eine fapiao ist in China was ganz offizielles, ohne so ein Ding geht nirgends was. Man braucht sie überall, und sie zeichnen sich durch den roten Stempel auf ihnen aus. Der muss rot sein, und rund, sonst ist man verloren. Als mein Vorgesetzter das hörte, hat er blitzschnell geschaltet und gefragt was denn sei, wenn es keine Rechnung vom Vermieter gäbe.
Es ist hier in China nämlich so, dass man aufgrund der fapiaos, die man so übers Jahr sammelt, seine Steuern zahlt. Das heisst, gehe ich irgendwo essen und verlange keine fapiao, steckt der schlaue Restaurantbesitzer das Geld für sich ein und zahlt keine Steuern. So was geht zur Zeit wohl nur in China. So hat sich übrigens auch die Sitte des „Lottos“ herausgebildet: Habe ich was gekauft oder gegessen, verlange ich eine fapiao, auf der ich dann wie auf einem Rubbellos eine Zahl frei rubbele und vielleicht ein wenig Geld gewinne. Als Anreiz nach fapiaos zu fragen sozusagen. Ich komm schon wieder vom Hölzchen aufs Stöckchen. Natürlich war es dann so. Ich kriege keine fapiao, meine Hauptmieter geben mir keine und der Vermieter sicher auch nicht. Noch besser: meine Mitbewohner, die auch die Hauptmieter sind, haben von fapiaos noch nie was gehört. Klaro. Da saßen wir nun also, ich mit zerstörten Geldträumen und die Vorgesetzte mit einem unzerstörbaren Lächeln. Naja, wenns keine fapiao gibt, muss man dann irgendwie direkt in die Rechnungabteilung und das da klarmachen. Der Mietvertrag gilt auch nicht so viel, man muss mal sehen.
Die Leute hier können manchmal so hilfreich sein, dass man ihnen am liebsten an den Hals springen könnte. Da hat irgend jemand einen riesengroßen Haufen Bockmist gebaut, aber einsehen oder hilfreich sein will keiner. So Sachen haben nun mal mit Flexibilität zu tun und da, naja. Nun harre ich also der Dinge die da kommen.
Gestern war ich übrigens auch mal auf einem Heiratsmarkt. Ich bin da so mit Andreas aus dem Museum of modern art gekommen, welches übrigens nicht soooo sehenswert ist, und plötzlich waren wir mittendrin in der Fleischbeschau. Oder besser, der Zettelbeschau. Überall, auf Bäume, Hecken, Sträucher sind behangen mit Zetteln, auf denen sich Heiratskandidaten vorstellen; aber nicht nur das, oft sind auch einfach die Eltern da, die ihre Tochter oder den Sohn anpreisen. Echt. Ich hab Zettel gesehen,da steht dann drauf: Name, Beruf, Einkommen, Bewohner Shanghais, mag dies und das, beruflich erfolgreich, Mobilnummer. Und die Eltern hielten die Zettel in der Hand und warteten auf Interessierte. Viele Angepriesenen waren so um die 30 herum, und ich bin sicher, die wussten nichts davon. Da geht die Mama also Sonntags mal los und sucht nach ein paar Heiratskandidaten. Ich hab Glück gewünscht.

 

Hier noch ein schönes Foto aus dem Büro aufgenommen.....

26.10.09 15:12

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen