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Trengeln


 Hi, am frühesten Morgen fahre ich mit einem von der Firma bereitgestellten Bus zur nicht allzu weit entfernten, Firma. Bevor ich jedoch fahre, gilt es, einen allmorgendlich stattfindenden Kampf auszutragen. Der Kampf um die Plätze im Bus. Oder, besser noch, der Kampf, in den Bus zu kommen. Chinesen scheinen zum größten Teil das Gefühl zu haben irgendetwas findet im Bus statt und sie dürften das auf keinen Fall verpassen. Ich habe dabei einen Vergleich mit Wölfen gezogen. Bevor ein Bus eintrifft, steht man herum, beäugt sich untereinander, ein paar Exemplare tauschen Floskeln aus und alles scheint friedlich. Der Bus befindet sich auf der anderen Seite der Strasse. Es tauchen, aus der U-Bahn kommend, immer mehr Wölfe auf, die mit dem Bus fahren wollen. Der Bus auf der anderen Seite fährt an, schafft es aber noch nicht ganz, bei Grün mit einer geschickten 180 Grad Wendung auf die entgegengesetzte Fahrbahnrichtung zu wechseln. Die ersten beäugen den Bus und die Umstehenden, werden nervös und sichern sich die ihrer Meinung nach besten Plätze. Diesmal schafft es der Bus, kommt langsam angefahren und die Drängelei geht los. Man meinte, sobald die Tür aufgeht, ginge es darum, an das imaginäre leckere, abgehangene, leicht verrottete Stück Fleisch im Inneren des Buses zu kommen. Freunde gibt es nicht, die Menge vor dem Bus verjüngt sich bis auf die Breite der sehr kleinen Tür. Ich habe mal gezählt, es passen so an die dreißig Wölfe in einen Bus. Und mehr als 40 Wälfe sind selten da. Ausserdem fahren die Busse alle 3 Minuten. Auch wenn zwei hintereinander kommen, geht die Hatz los. Besonders spektakulär ist es, wenn ungefähr 10 Wölfe warten, auch dann wird nach dem Fleisch gelechzt, als ob die Welt unterginge. Und wer dann,im Gedränge, einen Fuß in die Tür bekommt, hat Vortritt. Es wird auf der ganzen Welt gedrängelt, das ist mir klar. Aber mit welcher Selbstverständlichkeit hier nach einem Platz gezielt wird, erstaunt mich immer wieder. Was mich ebenso erstaunt, ist die Wendigkeit, mit der sich vorgedrängelt wird. Ich stand mal zum Ausstieg bereit im Bus an der Tür, vor mir 2 Frauen, leicht schräg hinter mir ein Herr, der keine Anstalten machte, aufzustehen. Ich dachte mir, ha, ich komme vor ihm aus dem Bus. Pustekuchen, so schnell, wie er aufgestanden war, sich durch die 20 Zentimeter, die sich ihm zwischen mir und dem Sitz boten, durchgeschlüpft war, konnte ich gar nicht mal Pustekuchen sagen. Verblüffend. Weiterhin ist verblüffend, wie bequem Chinesen sind. Das beste Beispiel sind die Fahrtreppen in der U-bahn. Die Masse ergießt sich auf den Bahnsteig, und 98 Prozent nehmen die Elektrotreppe. Auch wenn nebenan eine normale Treppe hochführt, die nur zehnstufig ist. So kommt es, das sich eine riesige Menschentraube bildet. Man muss sich das mal vorstellen: Die Leute drängen sich eiligst mit gehetzten Gesichtern aus den Abteilen, um dann seelenruhig in einer Traube Menschen zu warten, um die bequemere Elektrotreppe zu benutzen. Verrückt. Mein Frühmorgensbus hält dann einmal am Eingang zum Industriepark und einmal direkt am Gebäude. Die Entfernung dabei ist etwa 50 Meter. Ich steige meist aus, da ich mit Laufen den Fahrstuhl im Gebäude eher erreiche, als die Leute, die im Bus sitzen bleiben, der noch eine elgante Kurve nehmen muss. Trotzdem bleibt ein Großteil bis zum Gebäude sitzen. Dort hängt nämlich kein Fleisch mehr. Grüßle Dirk

24.9.09 17:45

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