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Rücksichtnahme? Meiyou!


  Ich habe Andreas, den anderen Trainee hier, einmal gefragt, ob er wüsste, was Rücksichtnahme auf Chinesisch heisst. Normalerweise weiss er so etwas, er weiss sogar was Kaulquappe auf Chinesisch heisst, ein Wort, welches ich gerade erstmal nachgeschlagen habe weil ich nicht wusste, wie es geschrieben wird. Ich lag zwar richtig, aber das nur nebenbei. Jedenfalls überlegte er so 30 Sekunden bevor er sagte: weiss nicht. Das war für mich kein Wunder, ein Großteil der Chinesen kennt es ja auch nicht. So etwas wie bitte, danke oder dergleichen Höflichkeitsfloskeln gehen den meisten hier ab. Ich kriege das vor allem mit, wenn ich hier mit meinem metallenen Freund unterwegs bin. Eine rücksichtslosere Fahrweise habe ich noch nirgends erlebt. Hier im Verkehr gewinnt wirklich derjenige, der das größte Auto hat und am besten drängelt. Das fügt sich in die Metapher der Wölfe, immer zuerst irgendwo sein zu wollen ohne auf andere Rücksicht zu nehmen. Ich habe vor kurzem erlebt, wie es einen Unfall auf dem Motorradstreifen gab. Zwei Geleitstengeler sind mit ihren fahrbaren zweirädrigen Plastikbombern aneinader geraten, und einer hatte leider drei Räder und der andere fiel um. Besser gesagt, es waren zwei, ein älteres Ehepaar. Es ist zum Glück nichts weiter passiert. Ich war gerade in der Nähe und schaute erstmal zu. Die Frau lag unter dem Mofa und kam nicht hervor. Niemand half ihr. Im Gegenteil, die von hinten kommenden Fahrer hupten ob der unzulässigen (ungewollten) verzögerung. Sie saßen auf ihren Rollern, fuhren hupend vorbei und schauten auf die Frau herab, die immer noch unter dem Roller lag. Ihr Mann hatte unterdessen den anderen Bösewicht gestellt und beschimpfte ihn und machte Bewegungen, als ob er ihn in Stücke reissen wollte. Noch immer half der Frau niemand, ich bin dann losgelaufen und habe sie vom Roller befreit, sie hat sich vielmals bedankt. Währenddessen waren ihr Mann und der andere Teilnehmer damit beschäftigt sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben. Ich bin dann kopfschüttelnd und desillusioniert gegangen. Statt sich zu einigen, wurde wieder einmal geschrien, als obs das besser machen würde. Ich hab mal in nem Reiseführer gelesen, dass sich China zur Zeit in einer Art Manchesterkapitalismus befindet und das scheint sich auch auf die Gemüter auszuwirken.
Rücksicht Nummer zwei, nur als eines der vielen Beispiele erfuhr ich, als ich am Sonntag mal nen leckeren Kaffe in einem Cafe trinken wollte. Richtig geniessen kann man es eh nicht, weil der Laden proppevoll und eher eine Bäckerei denn ein Cafe ist. Egal. Ich bin dorthin,habe meinen Kaffe bestellt und wollte ein wenig lesen. 20 Minuten später kommen zwei Chinesen mit ihren Laptops herein und schauen sich Fussball oder Basketball an, ohne auf andere Gäste zu achten und unterhalten sich so laut, dass man alles versteht. Das wäre ja auch alles ok in einer akzeptablen Lautstärke, aber nein, man muss gehört werden. Kann ich akzeptieren bei 1,3 Milliarden, verstehen kann ich es nicht.
Genauso scheinen die Telefonfirmen erkannt zu haben, dass man sich stöndig zu  Wort melden muss, wenn man denkt, man hat was zu sagen. Ich bekomme, seit mein Guthaben meiner Handykarte unter 15 Yuan liegt, jeden Morgen per SMS eine Auskunft, wie hoch mein Kartenstand ist. So weiss ich immer genau, was ich noch telefonieren kann und was nicht. Diese Begründung ginge glatt als Werbung durch, wenn es nicht unglaublich nerven würde. Jetzt bin ich wieder aufm Stöckchen, wollte eigentlich was zu den Essgewohnheiten sagen in unserer Firma. Es ist ja so, dass es im Umkreis der Firma nicht wirklich Gelegenheiten zu Essen gibt, von der kantine, die ganz passabel ist mal abgesehen. So bringen sich viele unserer Kollegen ihr Essen in Tupperpäckchen von zu Hause mit. Das sieht dann so aus:

Da stehen die Schüsselchen dann in Reih und Glied und wer seine zuerst hinplaziert hat, darf auch zuerst an die Mikrowelle. Und ehrlich gesagt, manche Düfte sind schon verlockend. Ich gehe meist in die kantine oder wir bestellen uns was bei einem Schnelllieferservice. (Schifffahrt?). Und 3 Minuten vor 12 Uhr mittags sieht es dann noch so aus in unserem Büro:

Drei Minuten nach zwölf so:

Hier habe ich verstanden, dass das Essen heilig ist. Wenn manchmal etwas dringend fertig gemacht werden muss, sagen wir eine Zeichnung und es ist kurz vor Mittag, weisen unsere Designer unseren Vorgesetzten Mr. P freundlich darauf hin, dass ja gleich Mittag sei. Heilig. Unantastbar. Kann ich auch verstehen, nach 4 Stunden PC hat man erst mal genug von der Röhre. Da wird dann jovial getuschelt und der Ehering vorgezeigt und die Fotos die man am Wochenende mit seinem Zukünftigen hat schießen lassen. Manche schlafen auch, auf den Tischen, einfach so. Wie unsere Mitarbeiterin Frau Maman, die 5 Jahre in Mannheim verbracht hat, die ich weder Guten Morgen noch Auf Wiedersehen sagen höre und die noch niemals mit mir gesprochen hat. Mit anderen auch nicht. Sie gleicht englische und deutsche Manuals ab und scheint mir sehr einsam.
Naja, auf jeden Fall war das Wetter in letzter Zeit nicht so angenehm, viel Nebel und Smog, genau kann ich das gar nicht identifizieren, aus dem Büro sieht es jedenfalls wie Emmerichs Weltuntergang aus: hier mal Vergleichsbilder, so vorher-nachher Stil:


 



Sieht schon anders aus oder? Das war so Nachmittags 14Uhr. Und wenn der Deprimann dann kommt, geht man nach Hause und wird von einem Hotpot erwartet. In der Theorie. Meine Mitbewohner hatten mich mal zum Hotpot eingeladen. Ich habs voll verpennt und am nächsten Tag haben sie mich gefragt, wo ich war, sie hätten Hotpot wegen mir gemacht. Ich hab mich entschuldigt und ich hatte es ehrlich vergessen. Sie haben dann erstmal keinen mehr gemacht, Wetter zu warm, aber am Sonntag luden sie wieder ein und am Montag, ich hab das auf wenigen, leider zu wenigen Bildern mal festgehalten:





War ein super netter Abend. Irgendwie hab ich mich grad verheddert, telefonieren und schreiben gleichzeitig ist für einen verplanten Mitteleuropäer wie mich zuviel. Einen männlichen. Weibliche schaffen das. Hab ih gehört. Wie gesagt ich hab mich verheddert. Wo ist der Ausgang?

 

 

1 Kommentar 1.12.09 16:05, kommentieren

und jetzt kommt ein karton

Hallöle alle zusammen, mir fällt auf, dass ich viele Blogs so anfange, so mit Hall.... am Anfang, ich weiss auch nicht warum, ist so ne Macke, so wie, hi ich bins Dirk, wenn ich jemanden anrufe oder so wie: nee, bitte keine Erdnuss-sosse auf die malatang- Suppe, danke, die schmeckt mir ohne besser. Achja, wirklich? Ja wirklich, kannste glauben, ich lüg nicht. Die schmeckt echt ohne Sosse besser. Niemand glaubt mir.
Ich bin jetzt stolzer Besitzer eines wirklich schönen Kleinods chinesischer Handwerkskunst, eines Fahrrads. Andreas hatte schon eines und ich wollte nicht hinterherstehen, besser gesagt ich wollte schon länger eines, um einfach meinen Radius zu vergrößern...bloß da gibts halt immer ein Problem: die Größe. Ich bin 1,86 Meter, der Durchschnittschinese ungefähr 20 Zentimeter kleiner. Also fängt es schon mal damit an, ein Fahrrad mit 28 Zentimeter Rahmen zu finden. Ich hab mit meinem chinesischen Wohnungsgnossen 1,5 Stunden im Internet herumgesucht und wir hatten 2 Angebote. Ich hatte mir mal zwischendurch ein 26cm Rahmenfahrrad angeschaut, aber die Größe und vor allem die Qualität liessen mich zweifeln. Als der Besitzer dann sagte, hier die Pedale ist manchmal locker, da muss man sie ein wenig festziehen, hab ich ihm gesagt, dass das Fahrrad zu klein ist und bin gegangen. Mein Mitbewohner half mir dann beim Anrufen, wegen dem 28er, da ich, auch beim besten Willen, nix verstanden habe.  Nur soviel: bei ihm gibts keine Ubahnstation, ich muss nen Bus nehmen usw. Mein Mitbewohner hat den Typi dann nochmal angerufen und einen Termin am darauffolgenden Tag ausgemacht. Da bin ich also losmarschiert, in meinem Gepäck eine Telefonnummer und die Anfahrtsbeschreibung. Hat alles geklappt, bis ich an besagter Station ankam. Ich den Typi angerufen, ich bin jetzt da, kannste mich abholen? Nee, komm doch zu mir, ist nicht weit,gleich um die Ecke. Aber ich bin doch hier an der von dir besagten Station, es regnet und ehrlich, ich hab keinen Schimmer wo du wohnst usw. Ich hab natürlich wieder nix verstanden, bin zum nächsten Polizisten, der hat sich dann 3 Minuten(!) mit dem Typen unterhalten und als er auflegte, sagte er knapp: immer diese Strasse entlang. Er sagte mir die Adresse, so etwa: huangzhangxidongzhonglu. Achja. Ich bin dann losgelaufen, und nach 500 Metern hab ich festgestellt dass ich immer noch keine Adresse habe. Ein Taxifahrer hat mich natürlich nicht verstanden, vor allem weil sich später herausstellte dass mir  der Polizist keine Strasse sondern ein Compound, verdammt wie ist das deutsche  Wort, achja Wohngebiet genannt hatte,  es regnete und ich hatte ehrlich keinen Dunst wo ich mich befand. Ich hab dann eine alte Dame auf einem Rikscha Taxi angehalten, ihr meine Situation erklärt, und sie praktisch gezwungen zu telefonieren und sie hat mich hingebracht. Nicht nachdem wir über den Preis heiss stritten und ich mich bereit erklärte nicht mehr als 15 Zuan zu zahlen, vor allem, weil sie da schon die Adresse wusste. Waren dann noch so 4 Kilometer. Immer da lang. Achja. Vielen Dank, Herr Polizist. Ich hab das Fahrrad denn gekauft und hier isses, das Prunkstück: 

Da ich echt nicht wusste, wo ich war, hat mir der, wie sich dann herausstellte, echt nette Typi dann ne Karte gemalt, wie ich nach Hause komme, die sah dann so aus:

Und ein Wunder, ich habs echt geschafft. Ich war zwar so 1,5 Stunden im chinesischen Abendverkehr unterwegs, im Regen und ohne wirklichen Plan, aber es war ne tolle Erfahrung und die Karte hat 100%ig gestimmt.
Und da ich ja nun nen Radel habe, radel ich was das Zeug hält. So war ich mit Andreas mit kurzem an dem Ort in Shanghai, der die Expo beherbergen wird und wir haben echt schöne Fotos geschossen. Es war ein schöner Tag, seit langem einmal, die letzte Zeit war es saukalt hier, so zwischen 5 und 8°C. Da es hier ja keine Heizungen gibt, hab ich mir im IKEA eine nette zweite Sommerdecke erobert, für 8 Euro, ich dacht mir so, zwei Sommerdecken sind eine Winterdecke und wirklich, es hält schön warm. Wenn meine Füsse kalt werden, halte ich sie vor ein kleines Elektroöfchen, was ich mir von der Arbeit „ausgeliehen“ habe. Ich weiss nämlich wie man das bedient, ich schreib ja die Anleitungen dafür. Den stell ich noch kurz vor:

Er hat auch einen Namen: DO NOT COVER. Sehr passend. Ich rede noch nicht mit ihm.
Ich komm ganz vom Thema ab, hier ein paar Fotos:






Ich war von dem Pavillion Chinas echt beeindruckt, der ist riesig. Und steht mit seinem Rot so zwischen diesem Grau heraus, das war faszinierend. Das Gelände ist ähnlich der Kaiserstadt angelegt, es verläuft alles schnurgerade und auf den China Pavillion zu. Auf der anderen Seite stehen die Pavillions der anderen Länder, die sind im Moment noch alle im Bau, das ist alles ne einzige Baustelle und so war der Himmel auch zugezogen.
Wir sind dann noch so am Hafen lang geradelt………


….und ein paar schöne Fotos von Shanghais Strassen:


{PLACE_IMAGE(streetsofshanghai3#.jpg)}





Durch meinen Drahtesel hat das Leben hier wieder ein wenig an Qualität gewonnen, trotz des wirklich schlimmen Smogs und der unglaublich, wie soll ich sagen, am freundlichsten ausgedrückt, riskanten Fahrweise der Chinesen. Die Phrase „der Stärkste gewinnt“ ist hier Alltag. Naja, wer solche Unterhosen trägt, der überschätzt sich halt manchmal

PS Ist von einem meiner Mitbewohner; ich ahne wer, ich kauf da lieber noch ne Sommerdecke und wenns für unter die Hose ist…. Gruß Dirk

 

23.11.09 16:18, kommentieren

...die letzten paar Tage

und Ereignisse wollte ich nochmal rekapitulieren. Also, am Montag habe ich endlich meinen langersehnten Lohn erhalten, ca.450 Euro, eher wohl Lebenserhaltungskosten zu nennen. Ich habe Montags noch einmal nachgefragt, was man hier, wie ich gelernt habe, immer mal tun sollte. Ich hatte nämlich für September noch keinen Lohn bekommen, alle anderen Angestellten schon und so musste ich mir von meinem Vorgesetzten 1000 Renminbi borgen. Die konnte ich ihm dann auch umgehend zurückzahlen, morgens Beschwerde, abends Geld aufm Konto. Wobei mir am Morgen gesagt wurde, naja, kann so 2 Tage dauern....so richtig Bescheid hier, also jedenfalls in der Personalabteilung, weiß niemand. Jedenfalls habe ich dann am Freitag auch gleich noch meine Miete für die letzten 3 Monate bekommen, juchhu! Ich bin jetzt fast reich.


 Ich hatte letztens auch mal von einem Heiratsmarkt berichtet auf den ich und Andreas eines schönen Sonnensonntags gestossen sind, und um hier niemanden zu verarschen, zeige ich hier noch mal ein paar Fotos:

 


 

Wirklich, Bäume, Sträucher, Parkbönke gepflastert mit Anzeigen, eine Freundin erzählte, das sei jeden Sonntag so.

 


 

Und hier die Details: Frau, gebürtig aus Shanghai (ist wichtig, da nicht einfach jeder kommen kann und in Shanghai wohnen darf, ausserdem hat man Vorteile beim Kauf bestimmter Güter, ich erinnere dass man in Deutschland Geld in manchen Kommunen bekommt, wenn man sich dort wohnhaft meldet), 1,72m groß, im April 1985 geboren, an der Tongji Universität was Technisches studiert, arbeitet als Forschungsmitarbeiterin. Sie sucht einen Mann, der 1,80m oder größer ist, keine schlechten Gewohnheiten hat, also weder trinkt noch raucht noch der Spielsucht verfallen ist, er hat Arbeit zu haben und muss Verantwortung für, na für alles übernehmen. Viel Spaß bei der Suche dachte ich nur und dann noch nicht mal ein Bild als Anreiz. Andreas hat hier in einem Restaurant, als er mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch kam, gleich von der Mama die Telefonnummer bekommen. Was er denn noch so in China vorhätte, sie hätten ne hübsche Tochter, und er wäre auch keine schlechte Partie,wie wärs? Völlig überrumpelt hat Andreas irgendwas gemurmelt von weiß noch nicht, und die beiden brausten im Benz davon. So einfach ist das, wenn man sorgende Eltern hat. Das Mädel mit dem Zettel hat jenen bestimmt auch nicht aufgehangen, eher die Eltern.
Ich war dann abends noch mal kurz aus um ein paar Fotos zu machen. So richtig wusste ich nicht wohin, bis mir ein Geruch in die Nase stieg. Ich bin an diesem Platz schon ein paar Mal vorbeigelaufen, ein Müllplatz. Dort stehen 3 Mülltonnen, aber die reichen bei weitem nicht aus bei all der Menge:



 

Man kann das Bild leider nicht so gut erkennen wegen all des Schmutzes, der es fats unmöglich machte zu fotografieren. Erst dachte ich, ach Gott, die verdammte Linse ist dreckig und hab geschrubbt. Als es nicht besser wurde, fiel mir der Staub auf, der da so umherwirbelte. Jedenfalls lädt da jeder kleine Laden im Umkreis seine Abfälle ab, es kommt alles zusammen, die Autos müssen einen Bogen darum fahren. Als ich da so stand, kamen zwei junge Chinesen, die erst gar nicht versuchten, ihren Müll in die Tonnen zu bugsieren, sie haben ihn ihre 2 mitgebrachten Tonnen mit Schwung von ihrem Ladewagen heruntergeworfen, umgekippt, sie wieder aufgeladen und sind gefahren. Es ist schon länger her, da sah ich dort einen Mann mit einer großen Mistgabel, der den gröbsten auf der Strasse liegenden Abfall mit ein paar geübten Bewegungen einfach auf die Tonnen obendrauf geworfen hat. Mahlzeit. Viele Grüße, Dirk

2 Kommentare 10.11.09 14:15, kommentieren

宏村und西递 und hungrig

Soooo, wir haben auf unserem kleinen Trip dann auch noch zwei richtig schöne kleine Dörfer besucht, Hongcun und Xidi. Die gehören zum Weltkulturerbe, da viele Häuser hier schon zur Ming und Qing Zeit standen,also schon so an die 800 Jahre alt sind und in sehr gutem Zustand. Hier wurden viele Filme gedreht und Hongcun beispielsweise ist von einem Wassersystem durchzogen, was von den dortigen Bewohnern sehr klug genutzt wird. Das Dorf ist wie ein Büffel geformt, ein kleiner Strom ergiesst sich von Norden in das Dorf und wird durch ein ausgeklügeltes System durch das Dorf geleitet. So darf dann zum Beispiel nur das Wasser vor 7 Uhr morgen zum Trinken benutzt werden, von 7-9 Uhr wird in dem Wasser Gemüse gewaschen und danach darf Kleidung gewaschen werden. Ziemlich ausgeklügelt also. Und die Dörfer sind wirklich in Schuss, im Vorfeld hatten wir gehört, es sei nicht möglich, dort zu übernachten, aber auch das hat sich als Farce herausgestellt, schließlich will im hietigen China jeder Geld verdienen und so haben wir uns bei einer netten alten Dame einquartiert. Unterwegs haben wir noch eine Amerikanerin und einen Chinesen getroffen, mit denen wir dann die zwei Dörfchen besucht haben. Es war sehr angenehm, da das Wetter warm und sonnig war und alles super ruhig und stressfrei, die meisten Touris hatten die zwei Dörfer ja schon verlassen. So konnten wir ganz schöne Aufnahmen machen:











 

Empfange wurden wir von einem riesigen Tor:

 

Und  natürlich wurden wir zwischenzeitlich auch mal hungrig und da wir ja zu viert waren, haben wir gleich ein ganzes Hühnchen für den großen Hunger bestellt:

 



 

Insgesamt haben wir dann so zwei Tage dort verbracht und sind dann Richtung Hangzhou weitergefahren. Und Hangzhou ist mit Abstand die schönste Stadt, die ich bisher in China kennengelernt habe. Bäume, klare Luft, niedrige Häuser, Wasser, schon M.Polo soll ja so geschwärmt haben. Wenn ich von Stadt spreche, meine ich nicht ne deutsche sondern ne chinsésische, also Hangzhou hat über 6 Millionen Einwohner, zum Vergleich: Berlin hat 2 Millionen. Aber  wir haben uns da ein wenig umgetan und siehe da: man konnte Fahrräder ausleihen. Very easy: man meldet sich an, bei einer der Stadt gehörenden Firma, deren Stände um den großen Westlake Hangzhous verteilt sind. Man hinterlegt 100 Kuai, 10 Euro, bekommt ne Karte, ähnlich einer Kreditkarte, geht zu den sich vor den Verkaufsständen befindenden Fahrradständern, sucht sich eins aus, bei dem die Bremsen noch funktionieren und was auch möglichst nicht keinen Platten hat, und kann mit der Karte das Fahrrad aus seinem Ständer auslösen, und ab dann zählt die Zeit. Wir sind so 4h gefahren und haben 12 Kuai bezahlt, so 1,20 Euro.

 





 

Danach habe wir die Karten einfach wieder abgegeben,den Rest Geld zurückbekommen und sind dann so abends so gegen 18 Uhr zurück nach Shanghai gefahren. Als wir dann da wieder ankamen, haben wir die letzte U-Bahn verpasst. Das is auch so ne Sache, die ich nie kapieren werde, diese Stadt hat an die 20 Millionen Einwohner und die U-Bahn hat hier jeden Tag um kurz nach 23 Uhr Zapfenstreich. Sogar am Wochenende! Wir haben uns dann ein Taxi genommen und als ich dann rechts und links der Hochstrasse 10 km lang nur wieder Hochhäuser und Wohnblocks grau an grau gesehen habe, war die überschwengliche Urlaubsstimmung schon wieder dahin......

 

Ich ess jetzt noch 葱油半面

 


 

Und denke ein wenig an Deutschland....Dirk

1 Kommentar 7.11.09 07:48, kommentieren

Ein Sonntagnachmittag in Shanghai

Hi, gestern war ich ein wenig in Shanghai unterwegs und habe ein paar Fotos gemacht.

Und zu guter Letzt eine kleine Stärkung:

2.11.09 12:57, kommentieren

Klühklich

Soooooooooo, endlich hat sich das mit meiner Miete geklärt. Ich bekomme die Miete gezahlt. Ich war in der Rechnungsabteilung und habe da nochmel nachgefragt. Die Leiterin, mit der ich vorher sprach, war nämlich mal ein wenig kooperativ und hat, was ich noch nie erlebt habe hier, flexibel reagiert. Sie hat sogar zu meinem Erstaunen SOFORT eine email an mich und meinen Vorgesetzten geschrieben in der sie sagte, wie es läuft. Ich brauche jetzt keine Rechnung mehr, eine Bestätigung der Bezahlung meiner Miete reicht aus. Die muss ich auf einem bestimmten TÜV Formular bestätigen lassen, was ich natürlich auch erst auf Nachfragen erfahren habe, so etwas gleich zu erklären war dann doch nicht drin. Und mein Vorgesetzter muss das bestätigen. Er muss also bestätigen, dass ich die Miete gezahlt habe. Verrücktes China. Aber kann ich verstehen, an jeder Ecke wird versucht, den Laowai, also Ausländer, über den Tisch zu ziehen. Könnte der Laowai ja auch mal probieren. So hat sich das jetzt alles eingerenkt.
Ich hatte ja ganz vergessen, mehr von meinem Trip nach Huangshan zu erzählen.
Wir waren also auf demHuangshan, haben da ne kalte und nicht so ruhige Nacht verbracht und sind dann zum Sonnenaufgang aufgestanden und haben Fotos gemacht. Danach sind wir abgestiegen...hier ein paar Impressionen:







Das Wetter war wirklich hervorragend und der Abstieg war anstrengend, da dabei ja, was jeder Hobbyabstiegler weiß, die Knie mehr belastet werden und wir ja auch schwere Rucksäcke dabei hatten. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht, zumal wir ja dann um 6.30 Uhr losliefen, also der ganze Tag noch vor uns lag. Zwischendurch haben wir dann mal Pause an einem anderen Gipfel gemacht, so nach 3 Stunden wandern. Zur Stärkung eine kleine Tütensuppe, für die uns, wohlgemerkt, nur fürs heisse Wasser, die Suppe hatten wir ja selbst hochgeschleppt, fünf Kuai abgezockt wurden.

Egal, wir hatten ja die Übernachtung gespart und waren froh über was zu essen. Danach gings weiter, aber nicht im wahrsten Sinne des Wortes, da ja, wie schon angemerkt, Feiertag war und wir uns schon gewundert hatten, wo denn eigentlich die Massen an Leuten seien, aber wir sollte eines besseren belehrt werden. Kaum um die nächste Ecke gebogen, lief uns der Angstschweiß herunter. Wir dachten erst, mein Gott, warum gehts denn hier nicht vorwärts und drängelten uns ein wenig an den Leuten über Bänke und Tische vorbei. Bis wir feststellten,dass dies die Warteschlange ist!

Wir hatten uns also einzureihen und mit dem Strom zu laufen, und als wir etwas von 6km Stau hörten dachten wir noch, kann nicht sein, vergiss es. Tja, falsch gedacht. Die Menschen haben alle angestanden,um auf einen bestimmten Gipfel zu klettern, von dem die Aussicht besonders toll ist. Wir sind dann dort nicht hin, erstens weil wir bis dahin noch drei Stunden anstanden und zweitens man eine in den Stein geschlagenen Leiter hätte hochsteigen müssen,was noch einmal eine Stunde gedauert hätte. Weil man nämlich aufgrund der Breite der Leiter die Geschwindigkeit des Vordermanns klettern muss und die meisten Chinesen nicht die schnellsten sind. Es war an diesem Tag wirklich die Hölle los. Ich hab den Tag den „ Lemmingtag“ genannt.

Insgesamt haben wir dann für ca. 1.5 km  vier Stunden gebraucht. Und was mich persönlich am meisten aufgeregt hat, war wieder diese unmögliche Unfreundlichkeit. Die Wölfe waren plötzlich wieder da. Auch wenn es wirklich absehbar war, dass niemand wirklich Boden gutmachen würde,wurde gedrängelt und geschubst und Boden gut zu machen versucht, was die Menschenschlange hergab. Da wurden Kleinkinder in eine Reihe nach vorne geschoben, um ihnen dann zu folgen und ne Reihe gutzumachen. Aber das beste ist, alles nur in der Gruppe. Ich hab mich, als es mir mal zu bunt wurde, demonstrativ zwischen ein nach vorne drängelndes Pärchen geschoben, so dass die beiden wirklich nur durch mich getrennt waren. Nach zwei Minuten fing die Freundin in einer so larmoyanten, wehleidigen Art und Weise an, Sehnsuchtsgeräusche zu machen und hat alle Minute nach ihrem Geliebten gerufen, sich umgedreht und ihm sehnsuchtsvolle Blicke zugeworfen, das man dachte sie geht gleich ein an Einsamkeit. Soll man halt nicht drängeln. Es wurde dann nach den 1.5 km deutlich besser. Denn nur bis dahin trieb es die meisten Wanderer. Der Großteil lief dann zum Hotel zurück und hat sich mit der Seilbahn nach unten fahren lassen. Laufen ist nicht drin. Wir beiden sind dann also abgestiegen. Als wir gegen 16 Uhr am Fuß der Berge ankamen, mussten wir uns natürlich ne Unterkunft suchen. Die fanden wir auch sofort, und zwar in einem verlassenen Hotel. In der Lobby saß ein älterer Herr, den wir fragten, ob wir hier schlafen könnten. Hmmmm, naja, geht nicht,Hotel hat kein Strom und kein Wasser. Ach so, nicht so schlimm für uns, wir haben Rucksäcke und wollen ja nur schlafen. Hmmm, aber der Chef könnte zurückkommen. Hä? Heute noch? Auf keinen Fall heute. Grinsen. Hmmm,kostet aber was. Klar. Wieviel? 100. OK. Mehr Grinsen. Können wir die Rucksäcke gleich hierlassen? Natürlich. Er hat uns dann ins größte verfügbare Zimmer gebracht, mit Vorzimmer und eigenem Bad, Aber es gab ja kein Wasser, dafür Matratzen!! Schön nach schlafen auf Steinen. Das Hotel war echt gottverlassen, eingestaubt und wir die einzigen „Gäste“.  



Er hat uns dann noch geholfen, Karten für die heissen Quellen zu kaufen, die wir besuchen wollten. Ob wir den Badehosen dabei hätten. Man braucht spezielle; er hat sie uns gezeigt, indem er seine Hose herunterzog und auf seine Shorts deutete. So eine braucht man. Ahja, klaro, ham wer. Wir sind dann zu den heissen Quellen baden gegangen; 16 Euro Eintritt, aber jeden Cent wert, mit Abendessen. Es ist schon ne Erfahrung, mit sonnenverbrannter Haut in eine 30°C heisse Quelle zu steigen und nach 3 Sekunden festzustellen, dass man fast verglüht...und man versucht dann, ohne groß Aufsehen oder gar Geschrei aus dem Becken zu kommen...es gab klühklicherweise auch nicht so heisse. Quellen. Dort haben wir uns dann entspannt. Und zu erwähntem Abendessen gings dann in Sträflingskleidung....

Ein super schöner Tag, aber auch sehr anstrengend, ging zu Ende. Die nächsten Ziele waren dann zwei alte Dörfer in Anhui, die Weltkulturerbe sind und Hangzhou....das später..Dirk

1.11.09 07:22, kommentieren

Tachchen,

......heute gings um die Wurst: Ich hatte mit meinem Vorgesetzten einen Termin in der Personalabteilung. Es ging um die Bezahlung meiner Unterkunft. Ich dachte so, naja, mit ein wenig Glück kriegst du heute schon Geld und kannst wieder wie ein normaler Bürger leben und auch mal für 3-4 Euro essen gehen statt immer nur für 1 Euro. In der Küche mach ich mir ja bekanntlich nichts, da selbst ich diese Kaschemme für zu ekelig halte. Kleines Bild gefällig?:


Leider haben wir im Moment nicht so viel Auswahl an Lebensmitteln, da bis auf mich und die Hauptmieter alle ausgezogen sind. Und ich koch ja nicht.
Wurscht, ich hab jedenfalls meinen Vorgesetzten, Mr. P., schon um 400 Yuan erleichtert, um über den Monat zu kommen. Dem hab ich dann meine Hoffnungen auf einen vielleicht vorzeitigen Geldsegen mitgeteilt, worauf er mit einem prustenden Lachen reagiert hat, er kennt diese Bande im 15. Stock nämlich schon. Jedenfalls haben wir heute vorgesprochen, und zwar ist bei der Abteilungsleiterin; die hat übrigens den ganzen Karren in den Dreck gefahren. Sie hat es aus irgendwelchen Gründen nicht geschnallt, dass zwei Praktikanten gleichzeitig in der Firma sind und einer materiell bevorzugt wird. Egal. Jedenfalls hatte ich ja die email vom Boss L. persönlich im Rücken, dachte also, wird schon schiefgehen. Wir sind also ins Büro zu ihr hinein und haben ihr erstmal die Sachlage geschildert. Sie hat zwar auch ne email bekommen, aber man muss viele Sachen hier zweimal erklären. Dann hat sie zu mir gesagt, ich bräuchte eine Rechnung, eine fapiao, von meinem Vermieter. Eine fapiao ist in China was ganz offizielles, ohne so ein Ding geht nirgends was. Man braucht sie überall, und sie zeichnen sich durch den roten Stempel auf ihnen aus. Der muss rot sein, und rund, sonst ist man verloren. Als mein Vorgesetzter das hörte, hat er blitzschnell geschaltet und gefragt was denn sei, wenn es keine Rechnung vom Vermieter gäbe.
Es ist hier in China nämlich so, dass man aufgrund der fapiaos, die man so übers Jahr sammelt, seine Steuern zahlt. Das heisst, gehe ich irgendwo essen und verlange keine fapiao, steckt der schlaue Restaurantbesitzer das Geld für sich ein und zahlt keine Steuern. So was geht zur Zeit wohl nur in China. So hat sich übrigens auch die Sitte des „Lottos“ herausgebildet: Habe ich was gekauft oder gegessen, verlange ich eine fapiao, auf der ich dann wie auf einem Rubbellos eine Zahl frei rubbele und vielleicht ein wenig Geld gewinne. Als Anreiz nach fapiaos zu fragen sozusagen. Ich komm schon wieder vom Hölzchen aufs Stöckchen. Natürlich war es dann so. Ich kriege keine fapiao, meine Hauptmieter geben mir keine und der Vermieter sicher auch nicht. Noch besser: meine Mitbewohner, die auch die Hauptmieter sind, haben von fapiaos noch nie was gehört. Klaro. Da saßen wir nun also, ich mit zerstörten Geldträumen und die Vorgesetzte mit einem unzerstörbaren Lächeln. Naja, wenns keine fapiao gibt, muss man dann irgendwie direkt in die Rechnungabteilung und das da klarmachen. Der Mietvertrag gilt auch nicht so viel, man muss mal sehen.
Die Leute hier können manchmal so hilfreich sein, dass man ihnen am liebsten an den Hals springen könnte. Da hat irgend jemand einen riesengroßen Haufen Bockmist gebaut, aber einsehen oder hilfreich sein will keiner. So Sachen haben nun mal mit Flexibilität zu tun und da, naja. Nun harre ich also der Dinge die da kommen.
Gestern war ich übrigens auch mal auf einem Heiratsmarkt. Ich bin da so mit Andreas aus dem Museum of modern art gekommen, welches übrigens nicht soooo sehenswert ist, und plötzlich waren wir mittendrin in der Fleischbeschau. Oder besser, der Zettelbeschau. Überall, auf Bäume, Hecken, Sträucher sind behangen mit Zetteln, auf denen sich Heiratskandidaten vorstellen; aber nicht nur das, oft sind auch einfach die Eltern da, die ihre Tochter oder den Sohn anpreisen. Echt. Ich hab Zettel gesehen,da steht dann drauf: Name, Beruf, Einkommen, Bewohner Shanghais, mag dies und das, beruflich erfolgreich, Mobilnummer. Und die Eltern hielten die Zettel in der Hand und warteten auf Interessierte. Viele Angepriesenen waren so um die 30 herum, und ich bin sicher, die wussten nichts davon. Da geht die Mama also Sonntags mal los und sucht nach ein paar Heiratskandidaten. Ich hab Glück gewünscht.

 

Hier noch ein schönes Foto aus dem Büro aufgenommen.....

26.10.09 15:12, kommentieren